Frauenrechte sind unteilbar - Frauenpower auch

08.03.2016

Frauen mit Lernschwierigkeiten engagieren sich gegen sexuelle Gewalt. Pressemitteilung der Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V. zum Internationalen Frauentag am 8. März

Berlin. Frauen mit Behinderung sind in vielen Bereichen ihres Lebens benachteiligt und im besonderen Maß Gewalt und sexueller Gewalt ausgesetzt. Laut einer viel beachteten Studie des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahr 2013 sind Frauen mit Behinderung etwa zwei- bis dreimal häufiger von sexueller Gewalt betroffen als Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt. Doch mit dem Bewusstsein dieser bedrückenden Sachlage wächst auch der Wille, sie hartnäckig und engagiert zu verändern, auch und vor allem bei Frauen mit Behinderung selbst.

"Sich Hilfe zu holen, ist der wichtigste Schritt", so Pia Witthöft, Leiterin der Mutstelle in Berlin, einem gemeinsamen Projekt von Aktion Mensch und der Lebenshilfe Berlin. Frauen und Männer insbesondere mit Lernschwierigkeiten können sich dort zum Thema beraten lassen und erhalten Unterstützung, wenn sie sexuelle Gewalt erlebt haben. "Das ist ein wirklich tolles und überaus wichtiges Angebot!" erklärt Ulla Schmidt, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe. Und das Angebot wird sehr gut angenommen: Seit ihrer Gründung im Juni 2014 hatte die Mutstelle bereits 89 Beratungsanfragen. Seit Oktober 2016 betreut sie auch die berlinweite Schulung von 16 Frauen- und Männerbeauftragten mit Lernschwierigkeiten, die in Werkstätten und Wohnheimen aktiv werden sollen. "Wenn Prävention gelingen soll, braucht es positive Vorbilder für ein gewaltfreies Miteinander", so Pia Witthöft. "Und es braucht Ansprechpartner auf Augenhöhe, die Mut machen, sich zu wehren und Hilfe zu holen."

Mut und Power: Nihal Arslan strahlt genau das aus. Die 37-jährige arbeitet seit fast 20 Jahren in den VfJ-Werkstätten in Berlin-Neukölln. Dort montiert sie Stecker und schleift Holz. Und: Sie hat dort zusammen mit einer Mitarbeiterin ohne Behinderung eine Frauengruppe geleitet. Mit ihrem Engagement möchte sie ihre Kolleginnen bei Problemen unterstützen und sie ermuntern, für ihre Rechte einzutreten. Doch Ansprechpersonen wie sie brauchen selbst viel Mut - und Informationen. So hat sich Nihal Arslan 2014 im Projekt "Frauenbeauftragte in Einrichtungen - Eine Idee macht Schule" zur Trainerin ausbilden lassen und setzt ihre Erfahrung nun gleich in dem Schulungsprogramm der Mutstelle für angehende Frauenbeauftragte mit Behinderung ein: Gemeinsam mit einer Tandem-Partnerin vermittelt sie Wissen zu ganz verschiedenen Fragen: Was ist Benachteiligung, was ist Gewalt? Welche Rechte gibt es? Wie kann man sie durchsetzen? Wer hilft dabei? Wie hört man richtig zu? Wie berät man gut? "Diese Dinge muss ich selbst wissen", so Nihal Arslan, "aber ich zeige sie auch den anderen behinderten Frauen, die etwas tun wollen, damit noch viel mehr von uns Mut bekommen".

"Betroffene Frauen brauchen engagierte Frauen wie Nihal Arslan. Und die brauchen die Unterstützung von uns allen, denn sexuelle Gewalt ist ein Verbrechen", so Ulla Schmidt. "Wichtig ist deshalb auch, dass der Gesetzgeber hilft. Die aktuellen Pläne des Justizministeriums zur Reform des Sexualstrafrechts, die einen besseren Schutz von Menschen mit Behinderung vor sexuellem Missbrauch vorsehen, gehen in die richtige Richtung. Und bei der anstehenden Novellierung der Werkstättenmitwirkungs-Verordnung hoffen wir auf eine Verankerung der Frauenbeauftragen. Sie können Frauen stärken und auch zur Vorbeugung beitragen."

 
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